Strohwitwe mit Kids.

Wenn Papa zwei Monate das Land verlässt… Tja, was ist dann eigentlich?

Als mein Mann früh morgens mit großem Rollkoffer das Haus verließ und sich auf ins Abenteuer USA mit viel Reiserei und Zeitverschiebung machte, begann für mich mein ganz eigenes, etwas anderes Abenteuer. Zum ersten Mal allein mit den Kids. Klar, war mein Mann immer Mal weg, aber ich denke, das Längste waren bisher 1,5 Wochen am Stück und das seit nun 10 Jahren Beziehung.

Für mich war es okay und nachvollziehbar, dass er die Chance ins Ausland zu gehen nutzte. Irgendwie hatte ich selbst mal wieder Lust dazu, wobei ich mir gleichzeitig aber auch nicht vorstellen konnte, meine zwei Süßen so lang nicht zu sehen.

Als mein Mann mir seine Entscheidung mitteilte, machte sich bei mir eine Melange an Gefühlen breit:

Freude für ihn, Angst vorm Vermissen, dem Alleinsein, der Herausforderung, Aufregung und Abenteuerlust und ja sogar Vorfreude, ein Gefühl von Neid.

Zuletzt versuchte ich mich aber an zwei Gefühlen festzuhalten:

gönnen = denn darum geht es es doch bei der Liebe,

erleben = die Chance zu bekommen meine Komfortzone mal wieder zu verlassen und die Möglichkeit zu haben, das Leben mit den Kindern auf eine andere Weise zu erleben.

Die nächsten 2 Monate würde ich aber vor allem das erfahren, was alle alleinerziehenden Mütter bereits wissen: Mama muss funktionieren  – IMMER!

Auf die volle Probe wurde ich bereits eine Woche nach der Abreise vom Herzblatt gestellt. Ich bekam die Wintergrippe. Mit allem Drum & Dran. Was ich jedoch nicht hatte sind Eltern oder Schwiegereltern in direkter Nähe. Und obwohl mir auch Freunde halfen und so dankbar ich ihnen für alles bin, musste ich mich trotzdem jeden Morgen um 6 Uhr gepusht durch die erste Ibu des Tages aus’m Bett quälen. Ich erinnere mich, wie ich mit schmerzverzerrtem Gesicht, leise fluchend und mir selbst leid tuend versuchte meine Jeans über die vor Gliederschmerzen brennenden Beine zu ziehen. „Warum nur ich??? „Und warum muss mein Mann der Idiot uns hier sitzen lassen??“ Aber die Kids mussten in Schule und Kindergarten – zu Hause bleiben wäre definitiv die schlimmere Variante gewesen. Kinder aus dem Haus, fiel Mami wieder ins Grippe-Koma. Manchmal schaffte ich vorher noch die Kids anderen Mamis für’s Abholen zuzuteilen, manchmal aber auch nicht mehr.

Vielleicht wollte mir das Universum auch etwas Gutes und die nachfolgende Zeit erleichtern? Denn nach dieser Feuertaufe war alles was nun folgte quasi Heimspiel. Egal was auch kam, mein Gedanke war „okay, zumindest gesund“. So regelte ich Großeinkäufe, arbeitete nebenher, koordinierte Arzttermine, hielt das Haus sauber, wusch Tonnen an Wäsche, lachte und stritt mit den Kindern, arbeitete gegen BBgirls Wutanfälle an, traf Entscheidungen allein und machte eben all das, was Mamis den lieben langen Tag und die liebe lange Nacht so tun …und eben auch das was sonst Papi übernahm. Während Josh nachts so gut schlief wie schon immer, war das BBgirl die Unruhige. Sie weckte mich gern nachts, um gemeinsam ein Stofftier zu suchen, um ein Hörspiel zu starten oder um „Wichtiges“ mit mir zu besprechen. Die Tage vergingen schnell und manchmal war es gar nicht so einfach den Papi über Facetime in unseren Alltag zu integrieren.

Was mir nach einiger Zeit auffiel:

Mein Zeitplan war zwar durchgetaktet und ich fiel abends oft müder als sonst ins Bett. Vieles klappte aber auch erstaunlich gut … ähm super 🙂 .

Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Ist niemand da, der die Dinge für dich erledigen kann, macht man sie eben selbst. Heißt, jegliche Diskussion, über wer macht was, wer hat mehr gemacht, alle Erwartungshaltungen an den Partner entfallen. Die Kinder haben Hunger – ich koche. Die Kinder wollen eine Geschichte  – ich lese vor. Die Kinder streiten – ich schlichte. Es ist kein Brot da – ich gehe einkaufen. Und so rockte ich einfach durch den Tag. Lernte darauf zu achten, wann der Müll vor die Tür muss (fällt sonst nicht in meinen Aufgabenbereich), schraubte Regale zusammen und besuchte Familienfeiern und Taufen als Single Mom mit Kids.

Auch mein Fokus hatte sich verschoben und war  nun noch viel stärker als zuvor auf meine Kinder gerichtet. Ich erkannte, dass ich anfing noch mehr mit ihnen zu reden und ihnen Dinge mitzuteilen. Wir waren ein Team und waren nun enger zusammengeschweißt. 

Auch die Kinder reagierten in bestimmten Situationen anders, ja oft gelassener. Mit mir allein als Ansprechpartner gab es niemanden mehr zum Ausspielen. So kam es nicht vor, dass gesagt wurde „Papa hat aber gesagt“, „Mama hat aber gesagt“ oder „Dann frag ich eben Papa/Mama!“ und dieser Personenkreis musste dann auch noch Kriegsrat halten. So gelangten wir bei Meinungsverschiedenheiten schneller an ein Ende.

Aber bei alldem, wie strukturiert unser Tagesablauf verlieft und so gut vieles klappte, fehlte uns der lustige Papa trotzdem sehr. Der Papa, der gern Quatsch macht, der mit seinen Bartstoppeln den Kindern über’s Gesicht kratzt, der beim Vorlesen nochmal den längeren Atem hat, der die Schwimmbadbesuche so genießt, als wolle man ihm eine Freude machen, der vergnügt um 6:30 Uhr am Frühstückstisch sitzt.

Und mir fehlte mein Mann, mein Kumpel, mit dem ich abends gern noch quatsche, gemeinsam Zeit verbringe, rede, Ausflüge mache, mit dem ich mir Aufgaben teile, der sieht, wenn bei mir nichts mehr geht und mir ohne zu zögern Aufgaben abnimmt.

Fazit: Ihm und mir haben die zwei Monate trotz Vermissen, sehr gut getan..

Ich hatte Zeit zum Nachdenken, um mich auf mich zu konzentrieren und um Dinge aus einer andere Perspektive zu erleben. Ich vermisste, hatte manchmal Herzschmerz und auch Wut, lernte Dinge wieder mehr zu schätzen und war stolz auf mich selbst, wie gut mir alles gelang.

Ich habe die Zeit für mich gut genutzt – zum Nachdenken, für Hörbücher, um einen neuen Sportkurs zu besuchen und ich habe sogar mit dem Meditieren angefangen. Und noch etwas Wichtiges habe ich erkannt, dass man nie wirklich allein ist. Freunde, Menschen, Erzieher sind immer um einen herum und wenn man um Hilfe bittet, bekommt man sie meist auch.

Um nun einigen Mamis Mut zu machen. Es ist gut sich und seinem Partner diese Freiheiten zu geben – es belebt auf allen Ebenen. Auch, wenn es  für eine Person mal bedeutet mehr auf sich zu nehmen oder gar zu verzichten.

Was ich vielleicht noch abschließend sagen muss, der USA Aufenthalt war freiwillig und auf eigenen Wunsch. Die Entscheidung dafür oder dagegen lag also ganz bei uns.

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